Emerging Markets

Auf neues Terrain wagen

Von Katharina Lehmann · 2016

Viele der aufstrebenden Schwellenländer sind im vergangenen Jahr überproportional gewachsen. Und auch 2017 können Anleger in diesen Märkten gute Renditen einfahren.
Doch sie brauchen starke Nerven.

Der MSCI Emerging Markets Index, der vor allem die Entwicklung der aufstrebenden Volkswirtschaften in Europa und Asien, in Lateinamerika und Afrika abbildet, hat seit Jahresbeginn knappe zehn Prozent zulegen können. Zum Vergleich: Der MSCI World Index, der als Pendant die Aktienmarktentwicklung der etablierten Industriestaaten darstellt, legte im gleichen Zeitraum nur um etwa fünf Prozent zu.

Potenzial für Bric und Next Eleven

«Zwar hat die US-Wahl kurzfristig für einen Rückgang gesorgt, aber wir sind überzeugt, dass die Anzeichen für einen weiteren positiven Trend sprechen – wenn auch mit höherer Volatilität», glaubt auch Morgan Harting, Portfolio Manager Emerging Markets Multi-Asset beim Asset Manager AB. Und genau da liegt auch das Risiko der Märkte von morgen: Zwar konnten sie 2016 punkten; 2015 jedoch hatte der MSCI Emerging Markets Index um 15 Prozent nachgegeben. Egal also, ob Anleger in Indexfonds auf den MSCI Emerging Markets oder Länderindizies oder auch in Einzelaktien investieren, sie brauchen hier starke Nerven.
Lohnen kann sich das Investment aber dennoch. Vor allem die Bric-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien und China, oft ergänzt um Südafrika, Mexiko, Süd-Korea und den ASEAN-Raum – stehen derzeit in der Gunst der Anleger. Im Auge behalten sollten Investoren aber auch die Next Eleven – also Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, die Philippinen, Südkorea, die Türkei und Vietnam.

Emerging Markets abhängig von Industriestaaten

Chancen ergeben sich in den aufstrebenden Volkswirtschaften vor allem aufgrund des vergleichsweise hohen Wirtschaftswachstums. Zudem ist der Anteil der jungen Bevölkerung in diesen Staaten verhältnismässig hoch – die Sättigung mit hochwertigen Konsumgütern ist dagegen niedrig. Risiken liegen dagegen auch in möglichen Währungsschwankungen, aber auch in einer möglichen Verstaatlichung der Unternehmen beziehungsweise in der hohen Besteuerung der Unternehmensgewinne. 
Doch die Emerging Markets sind stark von den Industriestaaten abhängig. Allen voran bangen gerade nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten Staaten wie Mexiko oder China um ihre Wirtschaftsleistung. Denn Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, bestehende Freihandelsabkommen neu zu verhandeln und Strafzölle auf Importe aus China zu erheben. «Wenn Trump nur ansatzweise seine Ideen zur Beschränkung des Welthandels gegenüber China und Schwellenländern durchsetzt, bedeutet das nichts Gutes für die Wirtschaft der Regionen», warnt denn auch Martin Lück, Chefstratege bei der deutschen Tochter von Blackrock. Bisher profitierten die Emerging Markets vom freien Welthandel und von ungehinderten Exporten in die USA.