Value Investment

Der Gewinn liegt im Einkauf

Von Paula Lehmann · 2017

Wer günstig einkauft, kann beim Verkauf höhere Gewinne erzielen. Diese alte Kaufmannsweisheit gilt heute mehr denn je – vor allem beim Aktienkauf.

Durchschnittlich vier Prozent Rendite pro Jahr – so viel konnten Anleger in den vergangenen 20 Jahren mit einem Investment in den Weltaktienindex MSCI erzielen. Global investierte Aktienfonds, die dem Value-Investment-Ansatz folgen, wie der Classic Global Equity Fund, konnten in der gleichen Zeit jedoch bis zu zehn Prozent Rendite pro Jahr realisieren.
Value Investment, das wertorientierte Investment, lohnt sich also durchaus.
Der Grund: Aktien neigen zur Übertreibung – sowohl in die positive als auch in die negative Richtung. Ihr Kurs weicht häufig vom fairen Wert eines Unternehmens ab.
In Hausse-Phasen schlägt er weit nach oben aus, während der Baisse sind viele Titel unterbewertet. Wertorientierte Investoren nutzen genau das aus – sie kaufen bei Übertreibungen nach unten und warten dann geduldig, bis die Unterbewertung vom Markt korrigiert ist. So erzielen sie eine Zusatzrendite gegenüber dem Gesamtmarkt – mit der sogenann­ten Value-Prämie machen sie oft zwei bis drei Prozent mehr Rendite pro Jahr.

Kauf bei 60 Prozent

Dreh- und Angelpunkt des Value-Investierens ist der faire Wert eines Unternehmens.
Echte Value-Investoren schlagen erst zu, wenn die Aktie deutlich unterbewertet ist.
Beträgt der faire Wert einer Unternehmensbeteiligung zum Beispiel 100 Franken, kaufen sie nur, wenn das Wertpapier zu 60 bis 65 Franken gehandelt wird. So erhalten sie eine Sicherheitsmarge, die Margin of Safety. Sie reduziert den nachhaltigen Verlust, sollte der faire Wert aufgrund von Analysefehlern oder falschen Angaben geringer sein. Vor allem aber ermöglicht sie eine Mehrrendite gegenüber dem Gesamtmarkt. Zur Ermittlung des fairen Unternehmenswertes ziehen Value Investoren nicht auf den kurzfristigen Jahresgewinn, sondern auf den Durchschnittsgewinn über einen Zyklus sowie das den gesamten Zyklus umfassende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) heran, um konjunkturelle oder stimmungsbedingte Schwankungen auszuschliessen.

So ergibt sich die Bewertungsformel:
Fairer Wert = durchschnittlicher Gewinn × durchschnittliches KGV.