Exchange Traded Funds

Der Hype um die Indexfonds

Von Nadine Effert · 2015

Da ETFs genau wie Aktien direkt an der Börse gehandelt werden, kann schnell auf aktuelle Marktsituationen reagiert werden.

Sie gelten als eine Anlage zum Zurücklehnen und erfreuen sich insbesondere aufgrund der geringen Kosten immer grösserer Beliebtheit: Exchange Traded Funds. Ein Überblick.

Sein Ruf als vorausschauender Anleger mit einer ausgeprägten Spürnase für richtige Anlageentscheidungen eilt ihm voraus: Die Rede ist von Warren Buffet. Wenn der drittreichste Mann der Welt vor das Mikrofon tritt, spitzt die gesamte Branche die Ohren. In der war die Überraschung gross, als Buffet im vergangenen Jahr diese drei Buchstaben in den Himmel lobte: ETF. Die Abkürzung steht für «Exchange Traded Funds», zu Deutsch börsengehandelte Indexfonds. 

Deutlich preiswerter

Warum Buffet seine Vorliebe für ETFs entdeckt hat, wo er doch eigentlich für sein «Stock-Picking», also die aktive Auswahl einzelner Aktien bekannt ist, liegt an den zahlreichen Vorteilen des passiven Investmentfonds. Da wäre vor allem der Kostenaspekt zu nennen. ETFs sind in der Regel deutlich günstiger als klassische Fonds. Warum? Zum einen fällt durch den Verzicht auf ein aktives Fondsmanagement die Verwaltungsgebühr sehr viel niedriger aus. Während die laufenden Kosten für klassische Investmentfonds oftmals zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr liegen, betragen sie bei ETFs meist nur bis zu 0,5 Prozent.
Zum anderen schlagen keine Ausgabeaufschläge beim Erwerb eines Fondsanteils zu Buche. Auch bei den Handelskosten dürfen Anleger mit Einsparungen rechnen: Denn soll ein Fondsanteil an der Börse ge- oder verkauft werden, sind nur die Transaktionskosten und die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, also der Spread, zu entrichten. Kurz: Je niedriger die Kosten, desto mehr Rendite bleibt unterm Strich übrig. Die Kostenstruktur der ETFs überzeugt zudem mit Transparenz und Einfachheit.

Vergleichsindex sorgt für Transparenz

Doch wie funktionieren ETFs eigentlich? ETFs bilden in der Regel einfach einen Index wie den Dow Jones eins zu eins ab. Die Zusammensetzung wird dementsprechend ständig an die Gewichtung des Index angepasst. Alternativ kann der Referenzindex auch andere Wertpapierarten enthalten. Es gibt auch ETFs, über die Anleihemärkte - zum Beispiel Frontier Markets - gehandelt werden. 
Der Nutzen eines Referenzindexes für den Anlieger liegt darin, dass er genau weiss, in was er investiert. Schliesslich setzen sich die ETFs aus genau denselben Aktien zusammen wie der dazugehörige Index. Aktueller Kurs, Spreads oder das Handelsvolumen sind kein Geheimnis. Auf Börseninformationen kann schliesslich jeder, wann immer er will, zugreifen. Zudem gelingt es den wenigsten Fondsmanagern, den Vergleichsindex zu schlagen. Das belegen zahlreiche Studien. Warum also nicht direkt in Dow Jones & Co. investieren? 

Mehr Liquidität durch Börsenhandel

Auch in puncto Flexibilität büssen ETFs gegenüber Aktien nichts ein, denn sie werden genau wie sie permanent an der Börse gehandelt. Dementsprechend schnell kann auf aktuelle Marktsituationen reagiert werden. Durch den Börsenhandel weisen ETFs im Gegensatz zu anderen Produkten eine hohe Liquidität auf, die von bestimmten Händlern, den sogenannten Market Makers, sichergestellt wird. 
ETFs zeichnen sich durch eine hohe Diversifikation aus. Sie vereinen also die gute Handelbarkeit einer Aktie mit der Risikostreuung eines ganzen Portfolios. Apropos Risiko: Wie sieht es mit dem Emittentenrisiko aus? Im Vergleich zu Index-Zertifikaten sehr viel besser, denn ETFs sind als Sondervermögen konstruiert. Heisst: Im Fall einer Insolvenz des Emittenten bleibt das Anlagevermögen unberührt, da beide rechtlich voneinander getrennt sind.

Schweizer ETF-Markt wächst

Kein Wunder also, dass ETFs immer beliebter werden - auch bei Privatanlegern. Der Schweizer Markt für börsengehandelte Fonds wächst kontinuierlich. In diesem Jahr wurde an der SIX Swiss Exchange erstmals die Marke von 1'000 registrierten ETFs geknackt. Fast 70 Prozent fallen auf Aktien, gefolgt von Obligationen und Rohstoffen. Der Marktanteil am gesamten Fondsmarkt ist zwar klein, Experten gehen jedoch von zweistelligen Wachstumsraten in den kommenden Jahren aus. 
Doch was ist die richtige Anlagestrategie? Eine Antwort auf diese Frage hat natürlich kein Geringerer als Starinvestor Buffet. Er rät Privatanlegern dazu, 90 Prozent des Vermögens in einen sehr preiswerten ETF zu stecken und den Rest in kurzfristige Staatsanleihen. Übrigens verkündigten die Medien in diesem Sommer, dass in ETFs erstmals weltweit mehr Vermögen verwaltet wird als in Hedgefonds. Das ging aus einer Studie der britischen Analyse-Firma ETFGI hervor. Warren Buffet hat also wieder einmal recht behalten.