Geldanlage

Die inneren Werte zählen

Von Jürgen Ackermann · 2017

Value Investing ist vor allem etwas für erfahrene und besonnene Anleger, die wesentliche Informationen vor dem Kauf einholen und auswerten können.

Value Investing ist langfristig orientiert und über entsprechende Fonds auch für Kleinanleger interessant.

«Der Kurs ist das, was Sie bezahlen, der Wert ist das was Sie bekommen.» Dieser prägnante Satz des US-Grossinvestors Warren Buffet ist legendär, beschreibt er doch die Grundidee der Anlagestrategie, die sich Value Investing – wertorientiertes Anlegen – nennt. Denn bei dieser Strategie dreht sich alles um den inneren Wert von Unternehmen, an denen sich Investoren beteiligen – sei es über Aktien oder über spezielle Investmentfonds. 
Ziel ist es, langfristige Erträge zu erwirtschaften. Gerade für Kleinanleger, die dem Value Investing folgen wollen und eine wertorientierte Kapitalanlage suchen, eignen sich solche Fonds, müssen sie dabei doch nicht selbst in die Aktienanalyse der einzelnen darin enthaltenen Wertpapiere einsteigen.
Investoren, die Value Investing betreiben, glauben, dass es eine Art «objektiven» Wert von Unternehmen gibt, der sich aus den Geschäftsdaten berechnen lässt. Die Strategie besteht dann darin, an der Börse gezielt solche Werte herauszufiltern, die aktuell im Verhältnis zu ihrem «objektiven» Wert unterbewertet sind. Nach Überzeugung der Value-Investoren ist es der Marktmechanismus, der auf Dauer dafür sorgt, dass es zu einer «richtigen» Bewertung kommt. Wer dann frühzeitig eingestiegen ist, profitiert überproportional von hohen Kursgewinnen.

Fundamentalanalyse als Dreh- und Angelpunkt

Doch zunächst müssen bei der der Value-Investing-Strategie der innere Wert des Wertpapiers oder der Titel, die in einem entsprechenden Investmentfonds enthalten sind, bestimmt werden. Dazu wird zumeist die Fundamentalanalyse genutzt. Diese basiert auf der Betrachtung des gesamten wirtschaftlichen Umfelds und den betriebswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens, den sogenannten Fundamentaldaten. Bei der Chartanalyse werden im Unterschied dazu lediglich die Börsenkurse betrachtet. Für ein echtes Value Investing ist die blosse Heranziehung der Börsenkurse aber nicht ausreichend, denn erfahrungsgemäss reagiert der Aktienmarkt auf negative Unternehmensmeldungen oder politische und wirtschaftliche Nachrichten mit übertriebenen Kursabschlägen, die den tatsächlichen Wert eines Unternehmens nicht immer widerspiegeln. 
Bei der Fundamentalanalyse werden Methoden der Bilanzanalyse und aktienkursbezogene Kenngrössen herangezogen. Ergebnis der Analyse ist ein Kursziel, das eine Über- oder Unterbewertung einer Aktie klar anzeigt. Dieses Ergebnis kann dann zur Entscheidungsfindung einer Strategie für das Value Investing herangezogen werden. Als Vorgabe für den inneren Wert einer Aktie können – abhängig von Anlageklasse und Situation – Substanzwert, Liquidationswert, Ertragswert und realwirtschaftliches Wachstum dienen. 
Entscheidend ist, dass die Unternehmen und deren Bewertung «richtig» beurteilt werden. Es wird also in die wirtschaftliche Perspektive eines Unternehmens investiert. Dabei handelt es sich um das sogenannte System des Business Perspective Investing. Die wohl grösste Schwierigkeit des Value Investing besteht darin, den tatsächlichen inneren Wert eines Wertpapiers herauszufinden. Das ist deshalb so schwierig, weil es kein Richtig oder Falsch gibt. Werden die exakt gleichen Informationen an zwei Investoren oder Fondsmanager weitergegeben, wird es nicht selten passieren, dass sie das Unternehmen unterschiedlich bewerten.

Ungenauigkeiten sind nicht ausgeschlossen

Dies hat zur Folge, dass der innere Wert einer Aktie nur geschätzt werden kann. Deshalb möchte der Value Investor einen möglichst grossen Abstand zwischen Kaufpreis und geschätztem inneren Wert haben. Hierbei spricht man von einer «Sicherheitsmarge», die ein weiterer Hauptbestandteil dieser Anlagestrategie ist. Je tiefer der Kaufpreis im Vergleich zum geschätzten inneren Wert liegt, desto geringer ist das Risiko, Geld durch diese Beteiligung zu verlieren. 
Neben dieser Problematik sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass die exakte Definition des Value Investings immer von den Value-Investoren persönlich abhängt. Von Person zu Person variiert die Wertbasis. Die einen kalkulieren den Wert auf Basis aktueller Vermögenswerte und nicht auf Basis zukünftigen Wachstums, während andere ihre Strategie ausschliesslich auf die zukünftige Erwartung von Wachstum und Cashflows gründen. Ungeachtet, welche Methode nun als Basis verwendet wird, läuft es letztlich immer darauf hinaus, dass die Anleger versuchen, etwas unter Wert zu kaufen. 
Grundsätzlich verlangt das Value Investing vom Anleger oder vom Fondsmanager eine gründliche Herangehensweise an die Kapitalanlage, da man sich bereits vor dem Kauf einer Aktie oder vor der Auswahl der für den jeweiligen Fonds geeigneten Titel viele Informationen beschaffen muss. Viel Vorarbeit ist also nötig und viel Disziplin. Vor diesem Hintergrund eignet sich das Value Investing vor allem für besonnene Anleger.