Verbandsbeitrag

Herzlich Willkommen in der Schweiz, lieber Renminbi

Von Claude-Alain Margelisch - SBVg · 2016

Letzten September fand der zweite Chinese-Swiss Financial Roundtable in Bejing statt. Die Teilnehmenden diskutierten unter anderem die Internationalisierung des RMB und die Chancen für den Finanzplatz Schweiz.

Vor knapp zwei Jahren setzte sich die Schweizerische Bankiervereinigung das Ziel, die Entwicklung der Schweiz hin zu einem Hub für Geschäfte mit China und der Chinesischen Währung Renminbi zu unterstützen. Dieses Ziel ist erreicht, der Renminbi ist definitiv in der Schweiz angekommen. Eine Erfolgsgeschichte.

Die Schweiz ein Hub für die chinesische Währung Renminbi, oder kurz RMB? Obwohl mehrere Schweizer Banken seit Jahren in China präsent sind und Geschäfte abwickeln und Kundenvermögen verwalten, soll in der Schweiz ein RMB-Hub entstehen? Dieses Ziel ist lohnenswert, denn der RMB eröffnet Banken und Kunden spannende Investitions- und Diversifikationsmöglichkeiten. Ein Hub eröffnet bei der Rohstoffhandelsfinanzierung sowie im Bereich der Altersvorsorge den Banken ausserdem neue Geschäfte mit grossem Potenzial. Für die Etablierung eines solchen Hubs haben sich die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) und andere Akteure in der Schweiz in den letzten zwei Jahren stark gemacht. 

SBVg hat Hub massgeblich vorangetrieben

Für einen Hub braucht es mehrere Voraussetzungen. Diese zu gewährleisten, hatte sich die SBVg in den letzten zwei Jahren zusammen mit anderen Akteuren auf die Fahne geschrieben. Die Schweiz erfüllt heute alle Bedingungen für einen RMB-Hub:
Im Sommer 2014 trafen sich Spitzenvertreter von Geschäftsbanken, Zentralbanken und Politik der Schweiz und Chinas auf Einladung der SBVg und der China Banking Association zum ersten Financial Round Table. Bei diesem Anlass haben die Nationalbanken der Schweiz und Chinas, die schon länger in Kontakt waren, eine Swap-Line in Höhe von 150 Milliarden RMB (21 Milliarden Schweizer Franken) unter sich vereinbart. Ein weiteres Treffen fand im September 2015 in Beijing statt. Gleichzeitig trafen sich auch die Vertreter der Landesregierungen erneut zur Fortführung ihres regulatorischen Dialogs. 
Seit Januar 2015 können Schweizer Finanzinstitute dank einer sogenannten Investitionsquote (Swiss RMB Qualified Foreign Institutional Investor Quote RQFII) in Höhe von 50 Milliarden RMB (7 Milliarden Schweizer Franken) direkte Investitionen in China tätigen. Die erste Sub-Quote in Höhe von fünf Milliarden RMB erhielt Swiss Re zugesprochen. Seit November 2015 ist ausserdem das direkte Trading zwischen dem Schweizer Franken und dem chinesischen RMB möglich. Das heisst, es gibt einen direkten Wechselkurs zwischen den beiden Währungen. 
Als letzten wichtigen Schritt hat kürzlich die Chinese Construction Bank eine Niederlassung in Zürich eröffnet, nachdem die People's Bank of China der Filiale Ende letzten Jahres die Erlaubnis erteilt hatte, als Clearing-Bank für RMB zu agieren. Zusammen mit der erstgenannten Swap-Line ermöglicht diese Niederlassung nun, dass das RMB-Clearing in der Schweiz ausgeführt werden kann. Dies erleichtert und fördert die Verwendung von RMB in grenzüberschreitenden Transaktionen zwischen Unternehmen und Finanzinstituten. 
Auch in anderen Bereichen ist China sehr daran interessiert, von der Erfahrung der Banken in der Schweiz zu profitieren. Eine eigens zwischen der SBVg und ihrer chinesischen Partnerorganisation abgeschlossene Ausbildungsvereinbarung hält dieses gegenseitige Interesse fest und wird in Zukunft dafür sorgen, dass sich chinesische Finanzfachleute in der Schweiz aus- und weiterbilden können. 

Langjährige Partnerschaft zwischen der Schweiz und China

Die enge Zusammenarbeit zwischen China und der Schweiz ist nicht neu. China gehört seit Jahren zu den wichtigen Aussenhandelspartnern der Schweiz. Das am 1. Juli 2014 in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern fördert und verbessert die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Erst kürzlich hat sich die Schweiz zudem als Gründungsmitglied der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank (Asian Infrastructure Investment Bank, AIIB) betätigt, einer multilateralen Entwicklungsbank. 

Die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz mit China und der Welt

Der Schweizer Finanzplatz hat sich mit seiner Positionierung als internationaler RMB-Hub ein weiteres Standbein erarbeitet. Die SBVg hat massgeblich dazu beigetragen und als «Rahmenbedingungs-Gestalter» die Zukunft des Finanzplatzes mitgeprägt. Alle Voraussetzungen für einen Hub sind nun gegeben. Herzlich willkommen, lieber Renminbi, in der Schweiz. Jetzt sind die Banken und Kunden an der Reihe, sich diese neuen, spannenden Geschäftsfelder zu erschliessen. Die Banken in der Schweiz bleiben dank solcher Bemühungen, ihrem Innovationsgeist und ihrer Expertise gut gerüstet für ihre Zukunft. 

Zum Autor

Claude-Alain Margelisch ist seit 2010 Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Der Advokat und Notar arbeitet seit 1993 für die SBVg und war unter anderem Leiter des Bereichs «Internatio­nale Finanzmärkte». Nach Abschluss seines Rechtsstudiums an der Universität Bern erlangte Claude-Alain Margelisch das Advokatur- und Notariatspatent und arbeitete bis 1993 in einer Rechtskanzlei.