Nachhaltiges Investieren

Klare Signale für eine grosse Bewegung

Von Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel - FNG · 2016

Der Markt für nachhaltiges Investieren bewegt sich aus der Nische heraus in den Fokus vieler Investoren. Die Ansätze dafür sind vielfältig.

Bei der Beurteilung des Marktanteils nachhaltiger Fonds von vier Prozent neigen Skeptiker dazu, dieses Phänomen in eine exotische Ecke zu stellen. Pragmatiker lassen sich dagegen von den hohen Wachstumsraten beeindrucken: In der Schweiz hat sich das Volumen nachhaltig verwalteter Anlagen laut Statistiken des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) 2014 um 26 Prozent gesteigert. Im Jahr zuvor waren es 17 Prozent. Zudem gibt es weitere deutliche Anzeichen dafür, dass die Grundsätze verantwortungsbewussten Investierens stärker im Markt verankert werden.

Die Vielfalt nachhaltiger Anlagen

International führende Pensionskassen setzen ökologische, soziale und governance-bezogene (ESG-)Kriterien ein, um eine umfassende, zukunftsorientierte Bewertung der Chancen und Risiken von Unternehmen zu erzielen. Vermögende Privatkunden sehen die Möglichkeit, mit individuell aufgesetzten Impact Investments die Familienwerte umzusetzen. Einige Family Offices nutzen beispielsweise die attraktive, konstante Rendite von Infrastrukturinvestments in erneuerbare Energien. Investoren wie Kirchen oder Stiftungen werden sich ihrer Verantwortung bewusst, das eigene Vermögen wertekonform und sinnstiftend anzulegen.
Diese Beispiele zeigen, dass Nachhaltige Geldanlagen aus unterschiedlichen Gründen gewählt und mit jeweils anderen Konsequenzen umgesetzt werden. So kommt es auch, dass Nachhaltige Geldanlagen teilweise als schwammig wahrgenommen werden und viele Anleger Mühe haben, sich in dem Begriffs- und Produkte-Dschungel zu orientieren. So tauchen zahlreiche Fragen auf: Sind verantwortliche mit nachhaltigen Investments vergleichbar? Was bietet Impact Investment? Welche Wirkung erzielen nachhaltige Fonds?

Beratung ist entscheidend

Angesichts der vielen nachhaltigen Anlagestrategien sind Antworten am besten in individuellen Beratungen zu finden. Um den passenden Ansatz zu identifizieren, sollten Anleger im ersten Schritt ihre Motive und Ziele genau evaluieren, um anhand der Risiko- und Renditepräferenzen die richtige Investitionslösung zu finden. Dieser Prozess benötigt Zeit und fachkundige Berater. Studien haben gezeigt, dass die Zufriedenheit von Kunden höher ist, wenn sie umfassend beraten werden.
Zur Unterstützung der Berater hat das FNG Orientierungshilfen geschaffen, die den Markt transparenter machen. Das FNG-Nachhaltigkeitsprofil stellt für mittlerweile über 180 Fonds auf jeweils zwei Seiten verständliche Informationen zum Thema Nachhaltigkeit kostenlos zur Verfügung. In einem weiteren Schritt hat das FNG ein Qualitätssiegel entwickelt, das erstmalig 2015 vergeben wurde. Die Siegelkriterien sind in einem mehrjährigen Prozess mit verschiedenen Stakeholdern entwickelt worden. Die Fonds werden von einem unabhängigen Auditor geprüft. Neben Mindestkriterien, zu denen ein Check der Normen des UN Global Compact gehört, fliessen auch die Qualität des Researchs sowie die Wirkung des Fonds in die Bewertung ein.

Schweizer Initiativen: Verantwortung wahrnehmen

Somit wird das Ziel vieler Anleger, eine positive Wirkung zu erzielen, aufgegriffen. Mittlerweile ist akzeptiert, dass auch über die bewusste Wahrnehmung der Aktionärsrechte Einfluss auf Unternehmen genommen werden kann. Diesen Ansatz verfolgt auch der neu gegründete Verein «SVVK-ASIR». Er etabliert für seine Mitglieder - führende Pensionskassen und bedeutende institutionelle Investoren aus der Schweiz - einen Dialog mit Unternehmen, die systematisch bestimmte Normen verletzt haben. Die Initiative will den Mitgliedern ermöglichen, ihre Verantwortung gegenüber Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft ganzheitlich wahrzunehmen.
Auch andere Akteure setzen sich zunehmend mit ihrer Verantwortung als Investor auseinander: Im aktualisierten Swiss Foundation Code werden Stiftungen erstmalig als Wirkungseinheit dargestellt und die Prämisse aufgestellt, dass das Vermögen den Stiftungszweck unterstützen sollte. Der Code gibt sogar die konkrete Empfehlung, dass der «Stiftungsrat nachhaltige Investitionen vornimmt». Einer der Mitautoren des Regelwerkes hat dies als «Steilpass an die Finanzbranche» bezeichnet, auch die passenden Produkte zu entwickeln.
Diese breit abgestützten Initiativen zeigen, dass Investoren zunehmend die Verantwortung, jedoch auch die Chancen wahrnehmen, mit ihrem Vermögen eine positive Wirkung zu erzielen.

Zur Organisation

Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)
ist seit 2001 der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz.
www.forum-ng.org

​Zur Autorin

Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel,
Vorstandsmitglied des Forums Nachhaltige Geldanlagen,
verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Sustainable und Responsible Investing und berät Investoren sowie Finanzdienstleister bei der Entwicklung und Implementierung einer nachhaltigen Anlagestrategie.
Seit vielen Jahren ist sie Mitglied im Vorstand des FNG.