Auktionen

Kunst unterm Hammer

Von Tobias Lemser · 2017

Traditionsreiche Kunst-Auktionshäuser setzen zunehmend auf den Online-Handel.

Wer besondere Gemälde oder Skulpturen sucht, wird auf Kunstauktionen fündig. Fanden die klassischen Versteigerungen lange ausschliesslich im Auktionshaus statt, macht heute das Internet Konkurrenz.

Beim Stöbern auf Grossmutters Dachboden ein längst vergessenes Schätzchen zu entdecken und für eine üppige Summe zu versteigern, ist der Traum eines jeden. Es müssen ja nicht gleich so viele Millionen sein, wie eine Bieterin vor zwei Wochen auf einer Juwelenversteigerung in Genf dafür hingeblättert hat: Mehr als 57 Millionen Dollar war ihr ein höchst seltenes Paar Diamant-Ohrringe wert, welche das Auktionshaus Sotheby‘s versteigerte. Das Besondere der Auktion: Die Schmuckliebhaberin schaltete sich per Telefon in die Versteigerung, um die tropfenförmig geschliffenen Edelsteine zu ergattern.

Auktionsmarkt mit langer Tradition

Doch nicht nur ein Weltrekord wie dieser beschert den Schweizer Auktionshäusern gute Umsätze. Neben Schmuck, Gemälden, Skulpturen und Arbeiten auf Papier wechseln zudem dekorative Objekte und Möbel auf Auktionen die Besitzer – ein Markt mit langer Tradition, dessen Wurzeln am Ende des Ersten Weltkriegs liegen. Insbesondere Zürich wurde mit der Gründung der Häuser Messikommer 1914 und August Laube 1922 zum zentralen Auktionsmarkt. Sukzessive kamen weitere Versteigerungshäuser quer durch die Schweiz hinzu: So etwa in Bern die Galerie Gutekunst & Klipstein oder in Luzern die Galerie Fischer. Grosse Bedeutung gewann die Schweiz als Auktionsschauplatz besonders von 1930 bis 1945. Da die neutrale Schweiz weitgehend vom Zweiten Weltkrieg verschont blieb, diente sie vor allem für Sammler aus Deutschland angesichts ihrer relativen Sicherheit als politisches und steuerliches Zufluchtsland.

Die Schweiz als Kunstmarktnation

Gründe wie diese, aber auch die zentrale geografische Lage, die Mehrsprachigkeit und die Neutralität sind hauptverantwortlich für die heute nach wie vor starke internationale Position der Schweiz. Gemessen am Umsatzvolumen rangierte der Kunsthandelsplatz Schweiz neben den USA, China, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland auf den vordersten Plätzen im internationale Kunstmarkt. Als eine der führenden Nationen entfielen laut Marktbericht der European Fine Art im Jahr 2012 zwei Prozent des weltweiten Marktvolumens auf die Schweiz. In absoluten Zahlen ergab das schweizweit einen Umsatz von 860 Millionen Euro.

Online-Handel erobert die Branche

Haben vor rund 100 Jahren vor allem prunkvolle höfische Möbel aus Schlössern und Villen den Besitzer gewechselt, sind auf den heutigen Versteigerungen eher klassische, moderne Gemälde begehrt. Doch nicht nur das: Auch die Art und Weise, wie die Werke letztlich den Besitzer wechseln, erlebt gerade jetzt einen immensen Wandel. Denn auch für den Kunsthandel wird das Internet immer wichtiger. Neben zahlreichen Startups, die den Markt erobern wollen, setzen nun auch immer mehr traditionsreiche Kunst-Auktionshäuser auf den Online-Handel.

Vor- und Nachteile

Grund sind vor allem die hohen Kosten, die durch den Transport der Auktionsobjekte entstehen. Ebenso reizt das Internet, da jeder von jedem Ort aus weltweit auf die Kunstwerke zugreifen kann – ein besonderer Vorteil, den jedoch viele mit Skepsis begegnen. Denn für viele Kunstsammler lebt die Kunst im Analogen und steht für Originalität und Einzigartigkeit. Wer will schon eine Fälschung ersteigern? Nicht wenige präferieren deshalb, persönlich an traditionellen Auktionen samt Vorbesichtigung teilzunehmen. Allerdings kaufen die meisten Leute auch bei den Saal-Auktionen fast nur nach Katalog. Ausserdem ist es möglich, die Auktionsobjekte auch per Mail oder per Foto auf Echtheit zu überprüfen. Warum also nicht per Mausklick oder Telefon einen Kunstschatz erobern? Einen Versuch ist es wert.