Finanzmarkt

Märkte im Schatten von Politik und Zinsen

Von Thomas Schulze · 2017

Politische Unsicherheit in einigen Ländern könnte zur Last für die Finanzmärkte werden.

Die weltweit aufkommenden Tendenzen für mehr Protektionismus verunsichern die Finanzmärk­te. Aber auch eine mögliche Zinswende, steigende Rohstoffpreise und das dynamische Wachstum in einigen Schwellenländern beschäftigen die Analysten.

Schon heute ist klar, welche beiden grossen Themenblöcke die internationalen Finanzmärkte in diesem Jahr massgeblich beeinflussen werden: Bereits seit Monaten stehen die Märkte im Schatten von Politik und Zinsentwicklung. Nachdem die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten im November 2016 zunächst zu einer Hausse an den Börsen geführt hat, haben sich seitdem die Märkte gerade in Europa wieder deutlich beruhigt. Teilweise ist die Euphorie in Verunsicherung der Investoren umgeschlagen, da niemand weiss ob der US-Präsident seinen zuletzt streng protektionistischen Worten Taten folgen lassen wird. Dies hätte zwangsläufig Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung exportorientierter Unternehmen aus Europa und Asien, die ihre Waren in die USA ausführen. Besonders Maschinen- und Anlagenbauer, Autohersteller aber auch Chemie- und Pharmaunternehmen wären betroffen. 
Neben Protektionismus hat Trump aber auch Investitionen in die heimische Infrastruktur angekündigt. Davon wiederum könnten zunächst US-Unternehmen profitieren. Und sie tun es auch wie der Anstieg des Dow-Jones-Index auf über 20'000 Punkte zeigt. Ob dieser Aufschwung allerdings von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Viele Analysten glauben eher, dass die Wirtschaft langfristig ausgebremst wird, schliesslich sorgen Protektionismus und hohe Schulden für rückläufige Entwicklungen.

US-Werte schon jetzt relativ teuer

Dennoch dürften kurzfristig die Aktien von US-Unternehmen gefragt sein, während nicht-amerikanische Unternehmen, die viel in die USA exportieren, zunächst im Nachteil sein könnten. Aber schon jetzt zeigt sich am Stand des Dow-Jones-Index, dass US-Werte bereits relativ teuer sind. Im Vergleich dazu sind europäische Aktien, denen auch der erstarkte Dollar bei Exporten in die USA hilft, im Moment eher günstig zu haben.
Die Politik, die zwangsläufig auch die Börsen beeinflusst, wird aber nicht nur von Donald Trump bestimmt. Auch in Europa breiten sich Nationalismus und Populismus aus und haben ihren Einfluss auf die Märkte. Das zeigen politische Ereignisse wie vor allem das «Brexit»-Votum im vergangenen Jahr. Analysten befürchten, dass die politische Unsicherheit in einigen Ländern Europas – in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland stehen Wahlen an – auch zur Last für die Finanzmärkte werden könnten.  
Neben den politischen Risiken sind und bleiben die Zinsen Haupt-Einflussfaktor an den Märkten. Dabei sind steigende Zinsen für die Aktienmärkte grundsätzlich negativ, denn wer schon auf Sparbüchern mehr Geld bekommt, investiert weniger gern in schwankende Aktien. Bereits im Dezember 2016 hat die US-Notenbank FED hat eine Zinsanhebung durchgeführt und weitere Zinserhöhungen könnten im laufenden Jahr folgen.  Dagegen rechnen viele Marktbeobachter mit einer weiter anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die zunehmende Zinsdifferenz zwischen Europa und Amerika dürfte im Jahresverlauf zu weiteren Kapitalflüssen Richtung USA führen. Bis Ende des Jahres könnte dann der Euro sogar bis auf 0,95 Dollar sinken. 

China und Indien im Brennpunkt

Weitere Faktoren, die die Märkte beeinflussen, sind nicht zuletzt auch die weiteren Entwicklungen in China und Indien. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in diesem Jahr für China ein Wirtschaftswachstum von etwa 6,2 Prozent. Die Entwicklung wird in letzter Zeit durch eine kräftige Steigerung des Konsums mit vorangetrieben. Gleichwohl hängt das hohe Wirtschaftswachstum weiter massgeblich von Investitionen ab, die aufgrund finanzpolitischer Anreize der Regierung geschaffen werden. Für Indien rechnet der IWF damit, dass das reale Bruttoinlandsprodukt nach gutem Wachstum 2016 auch in diesem Jahr um 7,5 Prozent zulegen wird. Vor allem strukturelle Faktoren wie eine kräftig steigende inländische Nachfrage, ein stark wachsender Arbeitsmarkt und sehr viele und zudem junge Arbeitskräfte treiben das indische Wachstum voran.
Last but not least bleibt noch eine weitere spannende Frage, die die Investoren 2017 umtreibt: Wie geht es weiter an den Rohstoffmärkten? Die Weltbank wagt hier einen zuversichtlichen Ausblick und hat ihre Prognose für den Ölpreis im laufenden Jahr nach oben korrigiert. Ein Barrel Öl der Sorte Crude werde voraussichtlich im Jahresdurchschnitt 55 Dollar kosten, teilte die Weltbank bereits im Oktober vergangenen Jahres bei der Vorstellung ihrer Rohstoffmärkte-Prognose mit. Damit korrigierte sie ihre eigene Prognose um zwei Dollar nach oben. Hintergrund sei die Bereitschaft der Opec-Länder, ihre Fördermenge zu drosseln. «Wir erwarten einen deutlichen Anstieg der Energiepreise, angeführt vom Öl», erklärt Weltbank-Volkswirt John Baffes. Öl, aber auch Gas und Kohle würden 2017 um rund ein Viertel teurer. Insgesamt seien Rohstoffpreise wieder auf dem Weg nach oben. Die Preise für Metalle und Mineralstoffe sollen der Prognose zufolge um 4,1 Prozent, die für Zink sogar um 20 Prozent steigen.