Fintechs

Mobil ist Trumpf

Von Jens Bartels · 2017

Kundenfreundliche Anwendungen aus dem Bereich der Finanztechnologie gewinnen weltweit an Bedeutung. Die Schweiz möchte zu einem führenden Standort in diesem Sektor werden.

Fintech ist auf dem Vormarsch. Die Abkürzung setzt sich aus den Wörtern «financial services» und «technology» zusammen. Darunter lassen sich moderne IT-Technologien zur Bereitstellung finanzieller Dienstleitungen verstehen. Immer mehr Menschen nutzen zum Beispiel digitale Assistenten bei der Vermögens- und Geldanlage, komplett online und ohne individuelle Beratung. Oder sie nehmen einen Kredit per Smartphone auf. Identifikation, Konditionenabfrage und Bonitätsprüfung – alles erfolgt über das mobile Endgerät. Andere Beispiele für Fintech-Geschäftsmodelle sind virtuelle Währungen oder blitzschnelle Überweisungen per Smartphone. Meist werden einfache und kundenfreundliche Anwendungen entwickelt, die auf die neuen Möglichkeiten durch Smartphones und das mobile Internet zielen.

Finanzindustrie im Wandel

Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die traditionelle Aufgabenverteilung in der Finanzindustrie sind gravierend. Durch die Dynamik der Digitalisierung lösen sich etablierte Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten auf. Es entstehen neue Wettbewerbssituationen genauso wie neue Kooperationen. Im Ergebnis gilt: Wer erfolgreich sein will, muss irgendetwas systematisch wesentlich besser machen als alle anderen. Und dabei weichen alte Branchengrenzen auf. In der Finanzbranche gelten plötzlich auch heutige IT-Unternehmen als potenzielle neue Wettbewerber, die sich mit Finanztechnologien eine Scheibe vom Kuchen abschneiden wollen. 

Sinkende Investitionen

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Branche zeigt indes, dass die weltweiten Investitionen in Fintechs 2016 drastisch zurückgegangen sind – und zwar von 46,7 Milliarden (2015) auf 24,7 Milliarden Dollar. Die Zahl der Deals sank dabei von 1'255 auf 1`076. Aus Private Equity floss mit 11 Milliarden Dollar deutlich weniger Geld als noch im Jahr zuvor (18 Mrd.). Dafür wurde 2016 mit 13,6 Milliarden Dollar etwas mehr Venture Capital in Start-up-Unternehmen aus dem Finanzdienstleistungsbereich investiert als 2015 (12,7 Milliarden). Das hat der aktuelle «Pulse of Fintech» der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ergeben, der die weltweiten Investitionen in diesem Start-up-Segment analysiert. «Der Rückgang ist zum grossen Teil der Unsicherheit geschuldet, die sich vergangenes Jahr an den Finanzmärkten breitgemacht hat», sagt KPMG-Partner Sven Korschinowski. Dennoch schätzt der Experte die Aussichten für Fintechs positiv ein. «Investoren arbeiten immer stärker zusammen und viele klassische Unternehmen gehen zunehmend dazu über, Fintech-Lösungen in ihre Geschäftsmodelle und -prozesse zu integrieren.» Das sind gute Voraussetzungen für den Bereich Fintech, weiter zu wachsen.

Fintech-Zentrum Zürich

Dies gilt auch für den Fintech-Standort Schweiz. Für ein Finanztechnolgie-Start-up sind drei Kompetenzen notwendig, um sich am Markt zu behaupten: Entrepreneurial-Expertise, Technologie-Expertise und Branchen-Expertise. Am Schweizer Fintech-Zentrum Zürich sind alle diese Kompetenzen vorhanden. Zwar ist die Fintech-Szene hier im Vergleich zu den grossen europäischen Hotspots wie beispielsweise London noch klein. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Neugründungen in ganz unterschiedlichen Fintech-Bereichen. Einige dieser Unternehmen sind mittlerweile auch international erfolgreich. Hinter dem klaren Fintech-Zentrum Zürich werden auch in Zug zahlreiche Start-ups aus dem Finanztechnologie-Bereich gegründet. 
Dabei tragen nicht nur die Unternehmen aus der Branche zu einer lebendigen Community bei. Auch immer mehr Initiativen, Inkubatoren oder Start-up-Wettbewerbe beleben den Fintech-Standort. Dazu kommen Verbände, die die Interessen der Branche vertreten. So bündelt der Verein Swiss Fintech Innovations seit dem vergangenen Jahr führende Unternehmen des Finanzplatzes und sorgt für einen schnellen und direkten Austausch zwischen Finanzwirtschaft, Finanztechnologie, der Wissenschaft und anderen Interessengruppen. Auch die Vereinigung Swiss Finance Startups treibt das Thema voran. Entsprechend optimistisch ist der Ausblick: Als international führender Finanzplatz und gleichzeitig eines der innovativsten Länder weltweit hat die Schweiz gute Chancen, zu einem international führenden Zentrum für Digitalisierung und Innovation in der Finanzbranche zu werden. Doch dafür müssen sich noch die Rahmenbedingungen verbessern. Dazu zählt etwa die Verringerung der regulatorischen Hürden.