Strukturierte Produkte

Strukturierte Produkte: Die richtige Mischung macht den Erfolg

Von Nadine Effert · 2015

Quelle: SVSP / SFI

Hohes Innovationstempo und umfangreiche Variantenvielfalt: Strukturierte Produkte gelten als eine attraktive Ergänzung zu direkten Finanzanlagen. Sie bergen aber auch Risiken und ihre Konstruktion ist oft komplex.

Strukturierte Produkte finden seit jeher Einsatz in der modernen Vermögensverwaltung. Mit der Jahrtausendwende schwappten sie aus den USA nach Europa und in die Schweiz. Mit einem Investitionsvolumen von rund 217 Milliarden Franken (Stand Juni 2015) hat sich die Schweiz zum weltweit grössten Markt für Strukturierte Produkte entwickelt. Was steckt hinter dem Erfolg dieser Finanzprodukte? 
Strukturierte Produkte sind in erster Linie flexible Finanzinstrumente, die in der Regel aus ein oder zwei herkömmlichen Finanzanlagen wie einer Obligation oder Aktie sowie einer Option bestehen und von einem Emittenten ausgegeben werden. Innerhalb der Kombination muss mindestens ein Derivat vorhanden sein. Laut Definition ist ein Derivat ein gegenseitiger Vertrag, der seinen wirtschaftlichen Wert vom beizulegenden Zeitwert einer marktbezogenen Referenzgrösse, dem Basiswert, ableitet. Die Rückzahlung eines Strukturierten Anlageprodukts hängt von der Entwicklung eines oder mehrerer Basiswerte ab. Beliebte Basiswerte sind dabei zum Beispiel Aktien, Anleihen oder Futures. Im Gegensatz zu einer Direktinvestition, mit der man nur auf steigende Kurse des Basiswertes setzt, bieten Strukturierte Produkte die Möglichkeit, gezielt das Risiko zu reduzieren oder die Renditeaussicht zu erhöhen.
Klingt komplex? Ist es für viele Anleger auch. Nicht ohne Grund gab es in den letzten Jahren grosse Bemühungen auf Seiten der Emittenten und des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte (SVSP), das bei vielen Anlegern vorhandene Wissensdefizit durch Informations- und Aufklärungsarbeit möglichst weitestgehend zu beseitigen und die Kundenansprache verständlicher zu machen.  

Breite Angebotspalette 

Grundsätzlich steht dem Anleger eine ganze Reihe an Produkten zur Verfügung, die der SVSP in zwei Haupttypen einteilt: Anlage- und Hebelprodukte. Diese wiederum enthalten fünf Produktkategorien: Kapitalschutz, Renditeoptimierung, Partizipation, Anlageprodukte mit Referenzschuldner sowie Hebel. Innerhalb dieser Kategorien steht eine unterschiedliche Anzahl an Produkttypen zur Verfügung. Von risikoarmen Kapitalschutz-Zertifikaten über Discount-Zertifikate und Twin-Win-Zertifikate bis hin zu risikoreicheren Hebelprodukten. 
Durch die grosse Produktpalette besteht für Anleger die Möglichkeit, selbst bei seitwärts oder leicht sinkenden Kursen eine attraktive Rendite zu erzielen. Dank ihrer Flexibilität und der zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten lassen sich auch im aktuellen Marktumfeld für jedes Risikoprofil und alle möglichen Szenarien passende Anlagelösungen finden. War die Konstruktion von einem Anlageprodukt vor mehreren Jahren noch relativ aufwendig und manuell gestaltet, kann heutzutage ein neues Anlageprodukt dank des hohen Automatisierungsgrades für wenige Tausend Franken Gegenwert innert weniger Sekunden exakt auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten werden.

Strukturierte Produkte ermöglichen es auch Kleinanlegern, auf bestimmte Börsentrends zu spekulieren.

Für jeden Anlegertyp geeignet

Da das Angebot an Strukturierten Produkten sehr vielfältig ist, sind sie im Prinzip für jede Sorte Anleger geeignet. Beispielsweise gibt es Produkte für eher risikoaverse Anleger wie die bereits erwähnten Kapitalschutz-Produkte. Hier erhält der Anleger bei Verfall eine Mindestrückzahlung von zum Beispiel 95 Prozent der Investition sowie die Möglichkeit an steigenden Kursen des zugrundeliegenden Basiswertes wie dem Schweizer Leitindex SMI zu partizipieren. Wer einen Kapitalschutzmechanismus nutzen möchte, muss in der Regel auf einen Teil des Renditepotenzials verzichten. Kapitalschutz-Zertifikate können daher eine geringere Partizipation bieten als eine Direktanlage in den Basiswert. Anleger können ihr Investment über mehrere Aktien streuen. 
Mit anderen Produkten lassen sich Renditen bei seitwärtstendierenden Märkten erzielen. Zu nennen wären hier etwa die Barrier Reverse Convertibles, die zur Produktkategorie der Renditeoptimierung zählen. Sie ermöglichen eine garantierte Couponzahlung sowie einen Schutz gegen sinkende Kurse. Dafür partizipieren Anleger nicht an steigenden Kursen der zugrundeliegenden Aktie. Wird die Barriere nicht berührt, erhalten Anleger am Laufzeitende 100 Prozent des Nominalbetrags zurück.

Zugang zu speziellen Märkten

Während bei anderen Anlageinstrumenten oftmals ein hoher Kapitaleinsatz erforderlich ist, ermöglichen Strukturierte Produkte es auch Kleinanlegern, auf bestimmte Börsentrends zu spekulieren und andere Vorteile zu geniessen. Dazu gehören die Portfolio-Diversifikation und der Zugang zu sonst schwierig zugänglichen Märkten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Strukturierte Produkte für Anleihen, Aktien, oder andere Anlageklassen handelt.
Wie bei allen Finanzprodukten dürfen gewisse Risiken wie zum Beispiel Währungs-, Markt-und Sekundärmarktrisiken nicht ausgeklammert werden. Relevant bei Strukturierten Produkten ist auch das Emittentenrisiko, das gerade seit der Lehman-Pleite 2008 verstärkt in den Fokus gerückt ist. Die Gefahr, dass der Emittent während der Laufzeit, die bei Strukturierten Produkten fest oder unbeschränkt sein kann, zahlungsunfähig wird, ist vorhanden. Die Rückzahlungen können somit ausfallen. Verschlechtert sich die Bonität des Emittenten ist es auch möglich, dass der Preis am Sekundärmarkt sinkt. Das Emittentenrisiko besteht übrigens auch bei Produkten mit Kapitalschutz.

Vergleichsweise hohe Renditechancen

Chancen nutzen: Im Moment gibt es aufgrund der Tiefzinspolitik in Europa und auch in der Schweiz einen klaren Anlagenotstand. Während Festgeldanlagen oder auch Obligationen im aktuellen Umfeld keine beziehungsweise teilweise sogar negative Renditen erzielen, kann mit Strukturierten Produkten eine überdurchschnittliche Rendite bei gleichzeitig defensiver Risikoausgestaltung erzielt werden. Anleger sollten sich in jedem Fall vor dem Kauf mit den jeweiligen Rückzahlungsmodalitäten und den bereits erwähnten Risiken eines Produkts vertraut machen. 
Zudem konnte der Einsatz von Strukturierten Anlageprodukten im Portfolio-Kontext verbessert werden. Der Grund: die Einführung von Risikokennzahlen wie dem Value at Risk. Dieser definiert die Höhe desjenigen Verlustes, der mit einer bestimmten Sicherheitswahrscheinlichkeit innerhalb eines bestimmten Zeithorizonts nicht überschritten wird. Heisst: Das Risiko eines Portfolios wird durch eine Kennzahl, einem bestimmten Geldbetrag, beschrieben, was für die meisten Privatanleger besser nachvollziehbar ist.
In der Zukunft sollen Strukturierte Produkte sich innerhalb des Portfolios zudem in die Einzelbestandteile aufteilen lassen, wodurch Anleger erstmals den Aktien- beziehungsweise Obligationenanteil in Bezug auf Risiko und Rendite optimal im Portfolio-Kontext ausrichten können.