Unternehmensfinanzierung

Fonds statt Bank

Von Peter Quäl · 2019

Banken sind die Hauptpartner des Mittelstandes wenn es um Finanzierung geht. Das gilt für die Schweiz ebenso wie für Deutschland und Österreich. Ob das allerdings auch in Zukunft so bleibt, ist zumindest fraglich.

Brauchen Unternehmen finanzielle Unterstützung, gehen sie zu ihrer Hausbank. So zumindest ist es in der Schweiz immer gewesen. Doch im Zuge der konjunkturellen Abkühlung und einer sich möglicherweise anschließenden Krise könnte sich das ändern – dann könnten zunehmend Fonds als Unternehmensfinanzierer in Erscheinung treten. Dies sei bereits in vielen anderen Ländern Realität.

Schwache Konjunktion fördert Restrukturierungen

«Durch die schwachen Konjunkturaussichten, geopolitischen Spannungen und den grossen Anpassungsdruck der Digitalisierung rückt die nächste Krise immer näher», ist Sascha Haghani, globaler Leiter des Competence Centers Restructuring, Performance, Transformation & Transaction des Beratungsunternehmens Roland Berger, überzeugt. «Die Senkung der Konjunkturprognose des SECO auf 1,1 Prozent Wachstum für 2019 verdeutlicht eine Anspannung der wirtschaftlichen Lage», ergänzt Ralph Mair, Principal von Roland Berger in Zürich. So erwarten neun von zehn befragten Experten, dass die Abkühlung der Wirtschaft die Anzahl an Sanierungsfällen im laufenden Jahr steigen lassen wird. Das ist eines der Ergebnisse der neuen «Restrukturierungsstudie 2019»
der Unternehmensberatung Roland Berger. Befragt wurden dazu 500 Sanierungsexperten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Bei den Kreditinstituten ist es die Regulatorik, die die Unternehmen vor grosse Herausforderungen stellt. Aufgrund der strengen regulatorischen Massnahmen wären sie bei weiterer konjunk­tureller Abkühlung deutlich betroffen. Nach Einschätzung von 54 Prozent der Umfrage­teilnehmer werden Vorgaben wie IFRS 9 und die NPL Guide­line, aber auch der starke Abbau von Restrukturierungsspezialisten bei den Banken zu mehr Kreditverkäufen an Fonds führen. Nur 21 Prozent sehen die weitere Begleitung und Sanierung der Unternehmen als erste Option. «Dies könnte im Ergebnis zu einer grundsätzlichen Veränderung der Unternehmensfinanzierung und insbesondere im Mittelstand führen», stellt Sascha Haghani in Aussicht.