Altersvorsorge

Rente auf dem Prüfstand

Von Francois Baumgartner · 2019

Vielen Schweizern ist schon ­heute klar: Alters- und Hinter­lassenenversicherung sowie ­berufliche Vorsorge decken nur 60 bis 70 Prozent ihres bis­herigen Haushaltseinkommens. Die Säule 3a wird daher immer wichtiger.

Die Altersvorsorge ist die grösste Herausforderung in der Schweiz, glauben 45 Prozent der Eidgenossen. Das ergab das Credit Suisse Sorgenbarometer, eine Umfrage, an der im vergangenen Jahr 2‘551 Stimmberechtigte in der ganzen Schweiz teilnahmen. Besonders brisant: Sorgen um die finanzielle Zukunft machten sich nicht nur Schweizer, die demnächst in den Ruhestand gehen, sondern auch diejenigen, die erst in den nächsten Jahrzehnten verrentet werden. Das Grundproblem der Altersvorsorge ist der demografische Wandel. Die Schweizer leben immer länger – und das bei guter Gesundheit. Gleichzeitig bekommen sie weniger Kinder. So kommen auf immer mehr Rentner immer weniger Beschäftigte, die diese Rente erwirtschaften. Kamen beispielsweise bei Einführung der erste Säule des Schweizer Altersvorsorgesystems, der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) im Jahr 1948, über sechs aktiv Beschäftigte auf einen Rentner, so sind es heute nur noch drei. Im Jahr 2045 dürften es gar nur noch zwei aktiv Beschäftigte sein, die die Rente für einen Ruheständler erwirtschaften. Gleichzeitig sind die Zinsen seit der Finanzkrise vor rund zehn Jahren auf einem historischen Tief – Sparanlagen werfen nicht mehr viel Rendite ab, weder für die Pensionskassen noch für Sparer, die versuchen, mit ihren Privatanlagen die Vorsorgelücke zu füllen.

Lücken werden immer grösser

«Das Füllen von Vorsorgelücken wird immer wichtiger», sagt auch Finanzplaner Gabor Gaspar. Nur etwa 60 bis 70 Prozent ihres bisherigen Haushaltseinkommens werden künftige Rentner in der Schweiz bekommen. Wer im Alter nicht auf den gewohnten Lebensstandard verzichten will, sollte sich frühzeitig mit dem Thema Altersvorsorge befassen und vor allem die Möglichkeiten, die die dritte Säule der Altersvorsorge bietet, nutzen. Denn schon heute gibt die AHV mehr aus, als sie einnimmt; ab 2020 kann der Finanzbedarf durch das aktuelle System nicht mehr gedeckt werden und bis 2045 könnte sich das Defizit der AHV-­Finanzen ohne Reformen sogar auf 220 Milliarden Franken summieren. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich bei der beruflichen Vorsorge, der zweiten Säule. Denn hier subventionieren aktiv Beschäftigte aufgrund zu hoher Rentenversprechen Jahr für Jahr die Generation der Rentner in der Grössenordnung von fünf Milliarden Franken. Das führt dazu, dass viele der künftigen Rentner fürchten müssen, niedrigere Altersleistungen aus dieser Säule zu erhalten. Wenn in den ersten zwei Säulen der Schweizer Vorsorge überdies auch noch Einzahlungslücken bestehen, verschlechtert sich die Lage von Sparern weiter.

Private Altersvorsorge ernstnehmen

Helfen kann da die Säule 3a. Die private Altersvorsorge ermöglicht es, individuelle Vorsorgelücken konsequent zu schliessen. Am besten klappt das, wenn jährlich der Maximalbetrag in diese Säule einfliesst. Dann profitieren Sparer gleich von mehreren Vorteilen: So ist der Zins auf dem 3a-Konto nicht nur deutlich höher als auf einem Privat- oder Sparkonto. Darüber hinaus erhalten Sparer auch noch diverse Steuervorteile. Die lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die jährlichen Spareinlagen können bis zum gesetzlichen Maximum vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Während der gesamten Vorsorgedauer fallen zudem keine Vermögens-, Einkommens- und Verrechnungssteuern an. Bei der Auszahlung wird das angesparte Geld zu einem reduzierten Satz und getrennt vom übrigen Einkommen versteuert. Das Vermögen auf dem Vorsorgekonto 3a kann ferner zum Kauf von selbstgenutztem Wohneigentum verwendet werden.

Produktvielfalt ist gegeben

Banken und Finanzdienstleister bieten eine Vielzahl an 3a-Fonds mit unterschiedlichen Aktienanteilen an. So erzielten 3a-Produkte mit 25 Prozent Aktien in den vergangenen fünf Jahren jährliche Renditen von 2,3 Prozent, diejenigen mit 45 Prozent Aktien brachten es sogar auf Renditen von 3,5 Prozent pro Jahr. Ab einem Anlagebetrag von 40‘000 Franken lohnt ein neues 3a-Konto. Bis zu zehn davon darf jeder Eidgenosse theoretisch führen. Mehr als fünf sind dennoch eher unüblich. Und noch ein Tipp: Falls man den gesamten Betrag nicht auf einmal einzahlen möchte, sollte man einen Dauerauftrag mit kleineren Beträgen bei der Hausbank einrichten. Selbst wenn man mit den Zahlungen ein Jahr aussetzt, ist das langfristig für avisierte Sparziele kein Problem. Allerdings entfällt der Steuervorteil für das Jahr sodann.