Kunstversicherungen

In sicheren Händen

Von Nadine Effert · 2017

Ob Gemälde, Antiquitäten oder Skulpturen – wer im Besitz kostbarer Kunst ist, sollte diese gut versichern. Für wen ist der Abschluss einer Kunstversicherung sinnvoll? Und in welchen Fällen springt sie ein?

Ein Blick auf den Kunstmarkt zeigt: Die Umsätze steigen kontinuierlich. Auktionshäuser freuen sich über ein reges Interesse bei Käufern rund um den Globus. Wertvolle Gemälde und Skulpturen präsentieren sich auf den zahlreichen Ausstellungen des Landes, werden von A nach B transportiert. Und so mancher Schweizer entpuppt sich als Liebhaber kostbarer Kunstobjekte, mit denen er stolz sein Eigenheim schmückt. Doch lauern überall Gefahren: vom Diebstahl über Beschädigungen beim Transport bis hin zum Wasserschaden in der Galerie. Fakt ist: In der Regel handelt es sich um kulturelle oder persönliche Güter von unschätzbarem ideellen Wert, die einen umfassenden Risikoschutz brauchen.

Der Wert des Kunstobjektes ist entscheidend

Während bei weniger teuren Gegenständen die Hausrat- oder Wertsachenversicherung greift, sollten Kunstwerke ab einer Versicherungssumme von etwa 200’000 Franken extra versichert werden. Die Gründe: Bei wertvollen Kunstgegenständen reicht selbst eine Erhöhung der Deckungssumme in der Hausratversicherung nicht für einen optimalen Versicherungsschutz aus. Infrage kommt theoretisch auch eine Wertsachenversicherung. Allerdings deckt sie keine Schäden ab, die durch eigenes Missgeschick oder durch Dritte zum Beispiel beim Reinigen verursacht werden. Auch eignet sich eine Wertsachenversicherung eher für kostbare Gegenstände, die keinen starken Preisschwankungen unterworfen sind, wie etwa Schmuck. Gemälde, Skulpturen und Antiquitäten schwanken hingegen im Wert. Diesen Aspekt berücksichtigen Kunstversicherungen, die sich an Sammler, Museen, Galleristen sowie Kunst- und Antiquitätensammler richten.

Sinnvoll, wenn der Wert stark schwankt

Kunstversicherungen bieten nicht nur Schutz vor Risiken – sei es Diebstahl, Wasserschäden oder Beschädigungen –, sondern sie schätzen mithilfe ausgewiesener Experten wie etwa Kunsthistorikern den aktuellen Marktwert des Kunstobjektes ein – und das nicht nur bei Versicherungsbeginn, sondern auch erneut in regelmässigen Abständen zur Ermittlung des aktuellen Wertes. Demensprechend wird der Versicherungswert angepasst. Bei Diebstahl oder im Schadenfall erstattet die Versicherung dann den in der Police aktuell festgehaltenen Versicherungswert. Die Experten stehen in der Regel auch hinsichtlich Sicherheitsvorkehrungen, Aufbewahrung und Transportfragen beratend zur Seite.

Sicherheitsaspekte beeinflussen Höhe der Prämie

Neben dem Gesamtwert und der Höhe des Selbstbehaltes spielt für die Berechnung der Prämie ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle: der Sicherheitsaspekt. Das bedeutet zum einen, dass für eine filigrane Skulptur aus Glas die Versicherungsprämie höher liegt als für eine ähnlich wertvolle massive Skulptur aus Bronze. Zum anderen geht es um die Sicherheit des Objektes selbst. Das heisst: Je besser das Kunstwerk vor Einbruch und Diebstahl gesichert ist, etwa durch Alarmanlagen, desto günstiger ist die Versicherungsprämie. Pauschale Tarife? Die gibt es bei Kunstversicherungen nicht. Die Anbieter in der Schweiz schnüren stets ein massgeschneidertes Paket mit individuellen Deckungskonzepten zusammen.

Hilfe bei Verlust und Beschädigung

Der Verlust eines wertvollen Kunstwerkes ist meist mit Emotionen verbunden und daher bitter. Da tröstet auch der beste Versicherungsschutz nicht hinüber weg. Kunstdiebstahl ist ein weltweites Problem. Aus diesem Grund wurde Anfang der 1990er-Jahre das internationale «Art Loss Register» in London eingerichtet. Heutzutage arbeitet fast jede professionelle Kunstversicherung mit der weltweit grössten Datenbank für vermisste Kunstwerke zusammen. Des Weiteren verfügen die Versicherer in der Regel über ein grosses Netzwerk in Kunstkreisen und vermitteln zum Beispiel im Fall einer Beschädigung einen geeigneten Restaurator. Fazit: Der Abschluss einer Kunstversicherung ist vor allem dann ratsam, wenn der Gesamtwert der Gegenstände über 200’000 Franken beträgt und das Kunstwerk starken Wertschwankungen unterworfen ist.