Investment-Rückblick

Zu früh gefreut

Von Jens Bartels · 2018

Nach dem fulminanten Auftakt im Jahr 2018 ist weltweit mit Blick auf die wichtigsten Aktien­indizes Ernüchterung eingekehrt. Aber auch in diesem Jahr gab es profitable Anlagegelegenheiten.

Nur noch ein paar Wochen trennen uns vom Jahr 2019; die ersten Investoren beginnen bereits, ihre Bücher zu schliessen: Zeit für ein Fazit des Investmentjahres 2018. Zunächst ein Blick auf den bedeutendsten Schweizer Aktienindex. Der Swiss-Market-Index (SMI) erreichte bereits am
9. Januar 2018 mit 9‘616 Zählern ein neues Allzeithoch. Doch die weitere Entwicklung verlief ernüchternd. Nach stärkeren Schwankungen im Jahresverlauf konnte der Index nicht an die Stärke vom Januar anknüpfen und liegt aktuell bei unter 9’000 Punkten. Ein anderes Bild ergibt sich,
wenn man sich ausgewählte Einzelwerte anblickt. Wer zum Beispiel Anfang dieses Jahres Aktien der Lonza Group AG erworben hat, konnte sich über ein Kursplus von über zehn Prozent freuen.
Dies gilt ebenso für Aktien des Versicherungsunternehmens Swiss Life. Im breiter gefassten Swiss-Performance-Index (SPI) weckte etwa die Kursentwicklung der CPH Chemie & Papier Holding AG besondere Aufmerksamkeit: Anteile an der Unternehmensgruppe, die in der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von Chemikalien, Papier und Verpackungsfolien tätig ist, stiegen im Jahr 2018 um circa 60 Prozent.

Aktien aus Brasilien begehrt

Weltweit entwickelten sich parallel zum SMI im Jahresverlauf auch andere wichtige Indizes wie der Euro Stoxx, FTSE oder Nikkei negativ. Dagegen lieferte im internationalen Vergleich in diesem Jahr der brasilianische Bovespa-Index eine positive Überraschung. Erst im November 2018 erzielte der Index ein neues Allzeithoch und hat in diesem Jahr bereits mehr als 15 Prozent hinzugewonnen. Zudem zeigen trotz der massiven Aktienverkäufe im Oktober der weltweit viel beachtete US-amerikanische Dow-Jones-Index oder die Technologiebörse Nasdaq eine positive Performance.
Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die FAANG-Aktien. Hinter dieser Abkürzung stehen die Anfangsbuchstaben der Tech-Unternehmen Facebook, Amazon, Apple, Netflix und der Alphabet-Tochter Google. Sowohl die Gewinne als auch die Verluste dieser Werte beeinflussen den Gesamtmarkt stark. Gerade der Handelsgigant Amazon und der Streaming­dienst Netflix verbuchen auch in diesem Jahr wieder satte Kursgewinne. Ein Investment in diese Technologiekonzerne, einschliesslich des US-Konzerns Microsoft, halten viele Experten auch in Zukunft für vielversprechend.

Stabile Sektoren schützen Depot

Wer in Indizes investieren möchte, entscheidet sich immer häufiger für den Kauf von Exchange Traded Funds (ETFs). Sie wurden auch im Jahr 2018 stark nachgefragt. Diese börsengehandelten Indexfonds eignen sich als langfristiges Investment für risikobereite Sparer und ersetzen zusehends aktiv gemanagte Anlagefonds im Portfolio. Ein grosser Pluspunkt insbesondere von passiven ETFs liegt in den geringen Kosten. Ein weiterer Vorteil: Dank der ETFs kann ein Anleger einfach und diversifiziert in unterschiedliche Marktsegmente investieren. So geben Experten bei einer künftigen schwächeren Entwicklung des wirtschaftlichen Wachstuns etwa den Rat, das Portfolio in Qualitätsaktien aus eher defensiven Sektoren wie Pharma oder Gesundheit umzuschichten. Dies ist auch mit dem Kauf entsprechender ETFs möglich. Ein passendes Beispiel ist der MSCI World Healthcare. Dieser weltweite Gesundheitsindex hat seit dem Jahr 2000 um über 170 Prozent zugelegt. Dort finden sich Unternehmen aus den USA wie Johnson & Johnson oder Merck, aber auch Schweizer Schwergewichte wie Novartis oder Roche. Insgesamt ist aktuell Vorsicht geboten. Zu den Herausforderungen zählen die Verschuldungspläne der italienischen Regierung und der Brexit, aber auch der von US-Präsident Trump angefangene Handelskrieg. Gerade unter dem Einfluss des Handelskonfliktes zwischen den USA und anderen Ländern leiden die Märkte schon seit mehreren Monaten unter starken Schwankungen. Durch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed sowie den stärkeren Dollar stehen auch viele Börsen in den Schwellenländern unter Druck. Auf der anderen Seite entstehen dadurch natürlich alternative Investmentmöglichkeiten: Zehnjährige US-Staatsanleihen werfen mittlerweile über drei Prozent Zinsen ab. Für Anleger empfiehlt sich übrigens generell ein breiter Mix von Anlagen und Regionen im eigenen Depot.